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Ätherische Öle

Pflanzenduft beruht im Wesentlichen auf den von ihnen erzeugten ätherischen Ölen. Der wegen der Flüchtigkeit dieser Stoffe gewählte Wortbestandteil "Äther" bezieht auf das griechisch-lateinische Wort "aither" - Himmelsluft oder Weite des Himmels. Ätherisch heißt auch erdentrückt oder vergeistigt.

Ätherische Öle sind flüchtige Substanzen, die im Unterschied zu den fetten Ölen auf einem Löschblatt keine Flecken hinterlassen. Sie sind von geringerer Dichte als Wasser, schwimmen also oben und lassen sich nicht mit Wasser mischen. Gut löslich sind sie hingegen in Alkohol, gewissen organischen Lösungsmitteln und in echten fetten Ölen.

Die überwiegende Anzahl aller ätherischen Öle besteht aus Terpenderivaten (z.B. Limonen, Citral, Citronellal) und wesentlich wenigere aus Phenylpropanabkömmlingen. Nicht selten machen über fünfzig analysierbare Einzelsubstanzen ein ätherisches Öl aus.

Unter den bis heute wissenschaftlich bekannten, ca. 250.000 höheren Pflanzen liegt der Anteil von Arten, die ätherische Öle enthalten, bei ungefähr einem Prozent. Bei vielen ist dabei der Anteil an Duftstoffen so gering, dass sich die Extraktion nicht lohnt. Bei vielen anderen ist die Duftqualität für den Parfümeur nicht interessant.

Innerhalb des Pflanzenreiches kommen ätherische Öle bei den niedrigen Pflanzen nur ausnahmsweise vor. Bei Pilzen scheinen sie gänzlich zu fehlen. Die große Ausnahme findet sich bei bestimmten Strauchflechten.

Der Löwenanteil aller Pflanzenarten, die ätherische Öle entwickeln, entfällt auf Blütenpflanzen (Samenpflanzen) und in geringerem, wenn auch nicht unbedeutendem Maße auf die Nadelpflanzen.

Ätherische Öle werden aus allen Teilen aromatischer Pflanzen gewonnen (aus Früchten, Teilen von Früchten, Blüten, Blütenknospen, Rinden, Blättern, Blättern und Zweigen, Rhizomen, Wurzeln, Samen, Nadeln und Holz).

Duftlieferanten sind beispielsweise folgende Pflanzenteile:



Ein wahrer Duftstoff-Produzent ist der Orangenbaum. Die Blüten liefern Neroliöl, aus den Zweigen und Blättern wird Petigrainöl gewonnen, und die Fruchtschalen liefern Orangenöl.

Ätherische Öle sind also Pflanzenextrakte, die mittels bestimmter physikalischer Methoden aus Pflanzenmaterialien gewonnen werden.

Die Mehrzahl aller Pflanzen, deren Duft auf ätherischen Ölen beruht, wachsen in den wärmeren Regionen der Erde. Besonders reich an duftspendenden Pflanzen ist das Mittelmeer. Neben der geographischen Lage spielen auch andere Faktoren wie Höhenlage, Bodenzustand, Feuchtigkeits- oder Trockenheitsgrad und natürlich auch die Jahreszeit eine entscheidende Rolle bei der Bildung ätherischer Öle.

Es gibt ätherische Öle, die bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken in sich bergen, die aber längst erkannt und aus der Parfümerie verbannt sind. Phototoxisch, also unter Lichteinfluss schädlich, können Zitronen- und Bergamotte-Öl bei starker Besonnung des Körpers sein. Dies hat in der Parfümerie zu genauen Anwendungsvorschriften der IFRA (International Fragrance Association) und zur Entwicklung unbedenklicher Austauschprodukte geführt.

Allergien und Unverträglichkeiten sind ein weites Feld. Es gibt wohl keine definierte Substanz, die nicht bei irgendeiner Person auf der Welt eine Allergie hervorrufen könnte. Deshalb können auch ätherische Öle mit ihrer Vielzahl von Inhaltsstoffen zu Allergenen werden. Es ist z.B. bekannt, dass Menschen auf Pelargonien (auch Primeln) allergisch reagieren. Genauso wie Allergiker mit der Auswahl von Lebensmitteln oder auch Medikamenten vorsichtig sein müssen, ist diesem Personenkreis anzuraten, auch bei der Auswahl eines Parfums mit Bedacht vorzugehen.

Hervorzuheben sind die heilsamen Eigenschaften vieler ätherischer Öle, diese betreffen das Verdauungssystem, den Herzkreislauf, die Atmungsorgane, das Nervensystem, die Harnwege, die innere Sekretion und die Haut.

ISO-Standard 9235

Der ISO-Standard (1997) definiert "ätherisches Öl" als ein Produkt, das hergestellt wird aus Pflanzenmaterial (einer einzigen Spezies) entweder durch

  • Destillation mit Wasser oder Dampf in einer Destille (z.B. Lavendelöl),
  • durch mechanische Behandlung des Epicarps von Zitrusfrüchten bei Zimmertemperatur = kaltgepresstes ätherisches Öl (z.B. Orangenöl, Zitronenöl) oder
  • durch trockene Destillation.

Die ISO-Norm betrachtet auch Saftaromaöle (essence oils) als ätherische Öle. Sie werden aus Fruchtsäften während der Konzentrierung oder UHT-Behandlung gewonnen.

Das Hauptverfahren zur Gewinnung ätherischer Öle ist die Wasserdampfdestillation. Die trockene Destillation eignet sich nur für wenige Pflanzen.

Die ISO-Norm verdeutlicht, dass ein ätherisches Öl ein reines Naturkonzentrat ist. Es darf nicht mit anderen Stoffen vermischt werden, sei es mit synthetischen oder mit natürlichen Stoffen, z.B. Terpenen. Auch "Anreicherungen" mit natürlichen Komponenten aus der gleichen Pflanzenspezies (chemisch definierte Inhaltsstoffe) stehen der ISO-Norm entgegen.

Derivate von ätherischen Ölen

Der ISO-Standard 9235 hat auch Derivate von ätherischen Ölen definiert. Er unterscheidet dabei

  • ätherische Öle ohne signifikante Veränderungen in ihrer Zusammensetzung (rektifizierte ätherische Öle) und
  • therische Öle mit signifikanten Veränderungen in ihrer Zusammensetzung ("Terpenfreies" ätherisches Öl, "Terpen- und sesquiterpenfreies ätherisches Öl, "X-freies" ätherisches Öl, konzentriertes ätherisches Öl und trockendestilliertes ätherisches Öl).

Anwendungsspektrum

Ätherische Öle haben wegen Ihrer besonderen Duft- oder Geschmackseigenschaften ein breites Anwendungsspektrum. Wesentliche Einsatzgebiete sind ihre Verwendung in Lebensmittelaromen sowie in Zahnpasten und Mundpflegeartikeln. Weitere bedeutende Anwendungsgebiete finden ätherische Öle als Bestandteile von Riechstoffkompositionen oder Parfümölen im Duftstoffbereich, sowohl für Parfums als auch für Körperpflegemittel und Toilettenartikel, im Haushaltsbereich (Reinigungs- und Waschmittel) oder zur Raumbeduftung. Die Aromatherapie und auch das Einreiben oder Inhalieren (z.B. mit Japanöl) sind weitere Beispiele für die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten.

Quelle: Firmenschriften - ISO-Norm 9235

last update: 30.05.2008