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Gerüche und Düfte

Der Mensch orientiert sich größtenteils durch seinen optischen und akustischen Sinn. Die Leistungen des Geruchsinns sind weniger auffallend und weniger vordergründig als bei manchen Tieren. Wie jedes Lebewesen von seiner Umwelt nur so viel erfasst, wie ihm seine Sinne vermitteln, so lebt der Mensch vornehmlich in einer "Sehwelt", der Hund in einer "Riechwelt", die Fledermaus in einer "Hörwelt", die Spinne in einer "Tastwelt".

Gerüche sind unerbittlich. Man kann sich praktisch allen anderen Sinneseindrücken entziehen, das heißt, Augen schließen, Musik abstellen, bestimmte Berührungen vermeiden, man kann nahezu alles vergessen, wenn man dazu fest entschlossen ist; aber man kann nicht aufhören zu atmen und somit zu riechen.

Sucht man nach volkstümlichen Redewendungen, die mit dem Vorgang der Aufnahme von Düften und Gerüchen, dem Riechen, zu tun haben, so findet man Interessantes:

  • Weil es offensichtlich von existentieller Bedeutung ist, möglichst schnell zu erfahren, ob die Luft rein ist oder etwas in der Luft liegt, ob dicke Luft herrscht oder gar etwas zum Himmel stinkt, muss man wissen, woher der Wind weht.
  • Mund und Nase weit aufsperren und dabei eine gute Nase, den richtigen Riecher haben.
  • Man soll sich erst einmal beschnuppern oder in eine Sache hineinriechen, um rechtzeitig Morgenluft und seine Chance, aber auch Unrat zu wittern.
  • Wenn einem dabei etwas in die Nase steigt, kommt dies in einen ganz bestimmten Geruch: Ein Verhältnis kann anrüchig sein, eine Behauptung erstunken und erlogen, eine Person so unnahbar, dass man über sie die Nase rümpft oder sie überhaupt nicht riechen kann.
  • Eine Sache kann einem so stinken, dass man die Nase voll hat und dann stänkert, Stunk macht und damit die Luft und das ganze Klima verpestet, oder - besonders wenn man nicht dagegen anstinken kann - es vorzieht, schleunigst zu verduften.

Diese Redensarten zeigen, was man mit dem Riechen verbinden kann: Man kann mit der Nase feinste Nuancen erahnen, gewissermaßen vorfühlen, was die unmittelbare Zukunft bringt; Angenehmes, Unangenehmes oder gar Gefahr.

In der Tierwelt ist der Geruchsinn unverzichtbar zum Überleben oder für den Fortbestand. Auch für den Menschen ist der Geruchsinn von elementarer Bedeutung, aber im Verbund mit den übrigen Sinnen von anderem Stellenwert als in der Tierwelt.

Die Fähigkeit des Riechens lässt uns unterschiedliche Signale empfangen:

  • Gefahr,
  • Wohlbefinden,
  • Locken, Verlocken,
  • Abstoßen.

Ohne weiteres erkennen wir an, dass Geruch Gefahrensignale vermitteln kann. Tiere wittern, wir Menschen erkennen verdorbene Speisen an ihrem schlechten, abstoßenden Geruch, wir nehmen Gefahren wie Feuer und Gas durch die typischen Gerüche wahr: Brandgeruch durch den Verbrennungsprozess, Gasgeruch beispielsweise deshalb, weil man dem im Haushalt genutzten Gas Signal-Riechstoffe beigibt.

Tiere wie Pflanzen schützen sich durch schlechten, abstoßenden Geruch vor Feinden. Wir Menschen nutzen Duftstoffe, um unser Wohlbefinden zu beeinflussen oder um anderen zu gefallen.

Düfte sind unerschöpflich, der Umgang mit ihnen ist vielfältig. Täglich können wir mit Gestank, Geruch und Duft konfrontiert werden. Die Übergänge sind fließend und durch unsere individuelle Beurteilung beeinflusst.

Eine besondere Faszination ist gerade mit unserer persönlichen Fähigkeit, mit Geruch und Duft umgehen zu können, verbunden. Wir gehen mit unserer Nase um, wie man es uns vererbt oder beigebracht hat. Gleichwohl haben wir den Umgang mit unserem Geruchsinn nicht erlernt oder gepflegt, wie wir es beispielsweise beim Lesen und Schreiben getan haben.

Man mag dies als Mangel beklagen. Man kann darüber aber auch froh sein, denn so haftet den Düften, die uns im Tageslauf begegnen, stets ein gewisses Maß an Faszination an. Nicht alle Einzelheiten zu wissen kann auch helfen, schlechte Gerüche, denen wir täglich begegnen, zu verdrängen. Andererseits sollte man aber auch über alle Gerüche und Düfte ein wenig nachdenken und die Fähigkeit, sie wahrzunehmen und mit ihnen umgehen zu können, als ein Geschenk betrachten.

Quelle: Firmenschriften

last update: 15.05.2008